Das Projekt VerbaAlpina wurde von vornherein mit Blick auf Webtauglichkeit konzipiert, denn es will ganz entschieden zur Überführung der etablierten geisteswissenschaftlichen Traditionen, genauer: der Geolinguistik, in die Digital Humanities beitragen . Dieser Ausdruck ist zwar mittlerweile fest etabliert; seine beiden Konstituenten sind jedoch keineswegs selbsterklärend und verdienen jeweils eine methodologische Bemerkung.
(1) Digital hat eine Reihe komplexer Implikate:
- Die empirische Grundlage der Forschung besteht in Daten (vgl. Schöch 2013), d.h. in digital kodierten und strukturierten oder mindestens strukturierbaren Einheiten; dabei handelt es sich teils um bereits publizierte und sekundär digitalisierte Daten (wie z.B. die älteren Atlasmaterialien), teils aber auch um neu zu erhebende Daten. Im Blick auf die relevanten Konzepte werden möglichst umfangreiche Datenbestände angestrebt. Die Methode ist also quantitativ und weitgehend induktiv.
- Die Forschungskommunikation erfolgt unter den medialen Bedingungen des Internets. Das eröffnet zunächst die Möglichkeit unterschiedliche Medien (Schrift, Bild, Video und Ton) hypertextuell zu verflechten; weiterhin können die als Forscher (vor allem als Projektpartner) und/oder als Informanten beteiligten Personen kontinuierlich miteinander kommunizieren und kooperieren.
- Damit wird interessierten Wissenschaftlern das Angebot gemacht, an der Entwicklung dieser projektbasierten und kollaborativen Forschungsplattform mitzuwirken. Diese Perspektive ist mindestens in doppelter Hinsicht nützlich und weiterführend: Sie erlaubt es, unterschiedliche Standorte einzubinden und – vor allem – die konstruktive Verschränkung von Informationstechnologie und Sprachgeographie mit öffentlichen Ressourcen voranzutreiben, ohne auf den (juristisch und ökonomisch problematischen) Support privater IT-Firmen zurückgreifen zu müssen.
- Das projektrelevante Wissen kann auch auf längere Zeit kontinuierlich akkumuliert und modifiziert werden, obwohl die Garantie einer dauerhaften Verfügbarkeit technisch noch schwer umzusetzen ist (vgl. hierzu die wichtige CLARIN-D-Forschungsinfrastruktur http://de.clarin.eu/de/home.html). Jedenfalls ist eine Publikation der Ergebnisse auf dinglichen Trägermedien (Bücher, CDs oder DVDs) vor diesem Hintergrund kein zentrales Anliegen mehr; gleichwohl wird eine sekundäre Druckoption eingerichtet, so wie es auch die Online-Lexikographie gelegentlich anbietet, so z. B. der exemplarische Tesoro della Lingua Italiana delle Origini.
(2) Hinter Humanities steht eine spezifische Konzeption des Forschungsfachs, die sich mit dem überkommenen Begriff der Philologie nur ganz unzulänglich erfassen lässt. Diese genuin textorientierte Tradition wurde de facto bereits durch die mit gesprochener Sprache arbeitenden Bereiche der Linguistik überholt. In Bezug auf VerbaAlpina wäre indes auch die Rede von digital linguistics zu eng, denn obwohl sprachliche Daten im Zentrum stehen, werden ganz bewusst auch außersprachliche Daten einbezogen, die für das historische Verständnis geolinguistischer Verhältnisse unabdingbar sind. In diesem Sinn wird eine digitale Ethnolinguistik praktiziert.Schöch, Christoph (2013): Big? Smart? Clean? Messy? Data in the Humanities, in: Journal of Digital Humanities, 2-13
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