VerbaAlpina kann als eine webbasierte raumorientierte Forschungsumgebung beschrieben werden. Dieses Format wird bestimmt durch die aktuellen Rahmenbedingungen, die sich ganz erheblich von der traditionellen Wissenschaftskommunikation unterscheiden. In allen Disziplinen, die in ‚klassischer‘ Weise mit empirischen Daten arbeiten, lassen sich drei einander folgende Phasen unterscheiden:
  1. Der Wissenschaftler sucht Informanten.
  2. Die Informanten liefern dem Wissenschaftler Rohdaten.
  3. Der Wissenschaftler gibt eine bestimmte Menge der erhobenen Daten, die im Lichte theoretischer Annahmen selektiert und modelliert wurde, an ein im Wesentlichen wissenschaftliches Publikum weiter.
Die Kommunikation in den drei Phasen verläuft unidirektional und zielt auf in sich abgeschlossene, dinghafte Publikationen, d.h. auf gedruckte Bücher.
Die drei Schritte der traditionellen Wissenschaftskommunikation
♦ Datenerhebung, ♦  Theorie und Methodologie, ♦ Mediale Publikation


Medien spielen eine zwar grundlegende, aber scharf begrenzte Rolle, denn sie sind in Gestalt des Drucks ausschließlich in der dritten Phase für die Publikation der Forschungsergebnisse zuständig. Diese Ergebnisse sind nur da zugänglich, wo die papierenen Publikationen materiell vorhanden sind, d.h. im wesentlichen in wenigen, meist öffentlichen Bibliotheken; in der Graphik wird die mediale Komponente durch die blaue Unterlegung des Feldes symbolisiert.


Die Neuen Medien haben die Rahmenbedingungen für die Wissenschaftskommunikation revolutioniert, denn alle Schritte der wissenschaftlichen Arbeit setzen hochtechnische Medialität voraus und werden dadurch grundsätzlich zu kommunikativen Handlungen; deshalb ist die folgende Graphik im Ganzen blau unterlegt. Die Organisation und Bündelung der Handlungsschritte zu drei notwendig aufeinander folgenden Phasen wird überwunden; die skizzierte Unidirektionalität des Informationsflusses ist ebenso aufgehoben wie die Bindung der Rolle (INFORMANT, AUTOR, LESER) an unterschiedliche Personen; grundsätzlich kann sich ein und dieselbe Person in schnell wechselnden Funktionen an der Kommunikation beteiligen. Von Grund auf verändert ist im Hinblick auf die Kommunikanten die Funktion INFORMANT, da die Behandlung der gelieferten Daten transparent bleibt und kontinuierlich verfolgt werden kann. Der INFORMANT wird so zum LESER seiner eigenen DATEN – ganz unabhängig davon, ob er die wissenschaftliche Intention überhaupt versteht; gleichzeitig eröffnet sich ihm die Möglichkeit, dazu als AUTOR Stellung zu nehmen. Nicht weniger radikal verändert sich unter diesen Bedingungen der Status Daten selbst, da sie in grundsätzlich dynamischen Datenbanken abgelegt werden, deren Umfang und Struktur Veränderungen unterworfen bleibt. So wird bereits die Kommunikation zwischen den involvierten Personen, in ihren womöglich wechselnden Rollen, zu einer elementaren Form der Kooperation. Es ist aber deutlich zu sagen, dass der Einsatz von Webtechnologie die Forschungskooperation nicht automatisch optimiert. Vielmehr ist es notwendig, bestimmte Regeln einzuhalten, die in den so genannten FAIR-Prinzipien prägnant formuliert wurden; sie implizieren gleichzeitig den konsequenten Verzicht auf das Copyright (©) der Print-Publikation zugunsten eine angemesseneren Lizenzierung.

Totale Mediatisierung () der Wissenschaftskommunikation unter den Bedingungen des Internet

In diesem Sinn wurde VerbaAlpina als Forschungsumgebung mit unterschiedlichen, aber eng miteinander verflochtenen Bereichen angelegt. Bei der Operationalisierung der FAIR-Prinzipien ist VerbaAlpina weiterhin auf institutionelle Absicherung angewiesen; Projektarbeit ist ja grundsätzlich befristet und insofern prekär. Das Forschungsdatenmanagement erfolgt deshalb auf der Grundlage von Prozeduren, die gemeinsam mit der Universitätsbibliothek der LMU entwickelt werden.