Die Standardisierung ist ein Prozess, bei dem eine Institution (oder eine Gruppe von Intellektuellen mit oder ohne institutionelle Unterstützung) die sprachliche Form festlegt, die innerhalb einer Sprechergemeinschaft in formalen und schriftlichen Kontexten anzuwenden ist. Durch die Standardisierung werden explizite Normen auf den Sprachgebrauch angewendet (Lebsanft/Tacke 2020, 14). Es wird also eine korrekte Norm für eine Sprache geschaffen, die bereits nach einer normalen Norm funktioniert (Coseriu 1975, 81), für die es jedoch keine expliziten Regeln gibt. Selbstverständlich verlaufen Standardisierungsprozesse nicht immer nach demselben Muster. Eine Standardsprache, d.h. eine Standardvarietät kann das Ergebnis einer Entwicklung sein, in der sich eine Varietät einer historischen Sprache als Modell etablierte; es kann sich aber auch um eine Sprache handeln, die ganz oder teilweise nach bestimmten wissenschaftlichen Methoden entwickelt wurde. Durch den Prozess der Standardisierung wird die Variation eingeschränkt, weil bestimmte Varianten ausgewählt und vorgeschrieben, anderejedoch ausgeschlossen und dadurch zum Nonstandard oder Substandard werden.

Der Prozess der Sprachstandardisierung entspringt dem von einer Gruppe von Sprechern empfundenen Bedürfnis, ihre eigene Form der sprachlichen Kommunikation mit Normen auszustatten, die innerhalb einer vermeintlichen Gemeinschaft gültig sind. Wenn damit die Vorstellung einhergeht. dass nicht standardisierte Formen der sprachlichen Kommunikation einer "functional inferiority" unterliegen (Weinreich 1953, 88), kann der Prozess der sprachlichen Standardisierung als Wunsch gelesen werden, die eigene Sprache vor dieser vermeintlichen Minderwertigkeit zu "retten". Weiterhin manifestiert sich in der Standardisierung der Wunsch, den Prozess der Identitätsbildung einer mehr oder weniger hypothetischen Gemeinschaft durch eine weitere Komponente zu stärken.

Wie bereits erwähnt, kann eine Standardsprache das Ergebnis der Standardisierung einer Varietät sein, die historisch gesehen eine Gruppe von Sprechern gemeinsam haben, oder sie kann das Ergebnis eines künstlichen Prozesses sein. Standardsprachen des ersten Typs sind normalerweise die großen Nationalsprachen (Italienisch, Französisch, Deutsch usw.), aber auch einige kleinere Sprachen, wenn die jeweiligen Planer aus unterschiedlichen Gründen beschlossen haben eine der vorhandenen Varietäten einer Sprachgemeinschaft zum Standard zu erheben.

In Fällen, in denen Sprecher eines geographischen Gebiets, in dem verschiedene Varietäten ein und derselben Sprachfamilie gesprochen werden, den Wunsch nach einer gemeinsamen Sprache verspüren, in der sich idealerweise alle Sprecher der jeweiligen Dialekte wiedererkennen, kann sich die Sprechergemeinschaft für eine sogenannte polynomische Sprache entscheiden. Dabei handelt es sich um eine Sprache, die nicht erfunden ist, sondern die nach den Prinzipien der Auswahl und Kennzeichnung von typischen Merkmalen konzipiert wurde (Lebsanft/Tacke 2020, 26). Was das Lexikon betrifft, so akzeptieren die polynomischen Sprachen die Vielfalt der morpho-lexikalischen Formen solange sich ihre Etymologie unterscheidet.

Abgesehen von den Standardisierungsprozessen der großen Nationalsprachen des Alpenraums (Italienisch, Französisch, Deutsch und Slowenisch), die Gegenstand zahlreicher Handbücher und wissenschaftlicher Veröffentlichungen sind, wird im Folgenden ein schematischer Überblick über die Standardisierungsprozesse der im Alpenraum vertretenen 'Kleinsprachen' gegeben, wobei die von ihnen entwickelten Standardisierungsinstrumente (insbesondere Wörterbücher) und die Art und Weise, wie sie in VerbaAlpina verwendet werden, hervorgehoben werden.
Als 'kleine' Sprachen gelten im Rahmen von VerbaAlpina alle Sprachen, die keine Amtssprachen auf staatlicher Ebene sind. Einen bsonderen Status hat das Rätoromanische als vierte Landessprache der Schweiz: Es gil als "Teilamtssprache" und wird hier ebenfalls als Kleinsprache verstanden. Die alpinen Kleinsprachen genießen in Italien den Status einer "Minderheitensprache im Sinne des Gesetzes 482/99, wie die folgende Karte zeigt:



Zimbrisch und Fersentalerisch
Das Zimbrische und das Fersentalerische sind zwei germanische Sprachinseln in Italien, die sich direkt vom Althochdeutschen ableiten, das sich zwischen Venetien und dem Trentino durch die mittelalterliche Einwanderung von Bevölkerungsgruppen aus dem Gebiet des heutigen Südbayern etabliert hat. Die beiden Gruppen werden hier kurz zusammen beschrieben, da sie im Wesentlichen die historischen Wechselfälle teilen, die sie geprägt haben.
Das Zimbrische und das Fersentalerische kennen seit Jahrhunderten eine rein mündliche Tradition und haben bis heute keinen wirklichen Prozess der sprachlichen Vereinheitlichung erlebt; man kann allenfalls von Versuchen einer orthografischen Vereinheitlichung (insbesondere seit den 1990er Jahren) sprechen (vgl. Brünger 2015, 91). Die noch sehr junge und bescheidene Schrifttradition dieser beiden Gemeinschaften wurde im Laufe der Jahrhunderte durch unterschiedliche, oft autoren- oder epochenspezifische, orthografische Darstellungsweisen der Sprache geprägt. Die ersten Grammatiken wurden von Tyroller 2003 für das Zimbrische und von Rowley 2003 für das Fersentalerische veröffentlicht. Eine Schulgrammatik für das Zimbrische aus Lusern wurde von Panieri et al. 2006 veröffentlicht. Die Grammatiken von Rowley und Panieri werden vom Istituto Culturale Mòcheno / Bersntoler Kulturinstitut bzw. vom Istituto di Cultura Cimbra offiziell anerkannt und übernommen. Speziell für das Zimbrische hat in den letzten Jahrzehnten angesichts des Wunsches eine lexikalische Datenbank für das Zimbrische zu erstellen, die Notwendigkeit, die Prinzipien der Standardisierung für eine rigorose Lemmatisierung der lexikalischen Daten zu übernehmen (Panieri et al. 2006), an Bedeutung gewonnen.
Die wichtigsten lexikografischen Ressourcen sind für das Zimbrische der Dizionario del Cimbro dei sette comuni und für das Fersentalerisch die Banca dati della lingua mochena. Dabei handelt es sich um relativ junge Quellen, die von VerbaAlpina nicht als Referenzen herangezogen werden. Für die Bearbeitung von zimbrischem und fersentalerischem Material sind die Referenzwörterbücher für die deutsche Sprache in der Regel ausreichend.

Frankoprovenzalisch
Unter dem Begriff Frankoprovenzalisch fasst man üblicherweise eine Reihe von Dialektvarietäten zusammen, die geografisch in einem Teil des Piemont, im Aostatal, im größten Teil der französischsprachigen Schweiz und in einem Teil Frankreichs gesprochen werden oder – vor allem in Frankreich und in der Westschweiz – gesprochen wurden. Die Tradition die Sprachklassifikation des Frankoprovenzalisches vom Französischen zu unterscheiden, ist das Ergebnis dialektologischer Studien, die im 19. Jahrhundert mit Graziadio Isaia Ascoli 1878 begannen. Es handelt sich um eine Sprachgruppe, die sich in der großen Vielfalt ihrer Dialekte verkörpert. Das Frankoprovenzalische kennt weder Vereinheitlichungsversuche noch eine gemeinsame Standardsprache.
Das Referenzwörterbuch für VerbaAlpina ist der Glossaire des Patois Valdôtains. Das Wörterbuch soll einen Überblick über den aktuellen Sprachgebrauch geben, indem es Material von mindestens einer Variante für jede der 71 Valdostaner Gemeinden sammelt. Die Recherche kann über die spezifische Suche nach dem gewünschten Wort in einer bestimmten Gemeinde oder über die Suchmaschine erfolgen, die alle in der Datenbank vorhandenen Formen für die gesuchte Form anzeigt. Die Referenz, die aus VerbaAlpina für die Konstruktion des morpho-lexikalischen Typs entnommen wird, wird nach sorgfältiger Abwägung auf der Grundlage der morphologischen Merkmale ausgewählt, wobei versucht wird, die Referenz zu bevorzugen, die alle anderen Formen am besten repräsentieren kann.

Friaulisch
Für das Friaulische (vgl. Melchior 2019) lassen sich dialektologisch vier Hauptgruppen unterscheiden: das Zentralfriaulische, das Ostfriaulische, das Westfriaulische und das Nordfriaulische. Die derzeitige friaulische Koiné (gemeinsame Varietät über den Dialekten) basiert auf dem Zentralfriaulischen, das weniger von urbanen Merkmalen geprägt ist und gleichzeitig prestigereich ist (cfr. Zanello 2021; vgl. Turello 2015). Die aktuellen orthografischen Normen beruhen auf den Vorschlägen der interprovinziellen Kommission (Udine, Pordenone, Gorizia) für die Ausarbeitung einer Rechtschreibung. Diese Vorschläge wurden dann Professor Xavier Lamuela (Universität Barcelona) übergeben, der als 'Schiedsrichter' fungierte und die Lösungen auswählte, die ihm linguistisch am geeignetsten erschienen. Er legte ein Modell vor, das auf der Rechtschreibung der Società Filologica Friulana basierte, aber die notwendigen Korrekturen enthielt, damit die Sprache nicht nur das Friaulische der literarischen Tradition, sondern auch die phonetischen Merkmale der lokalen Varietäten grafisch wiedergeben konnte. Diese Schreibweise wurde von der Region Friaul-Julisch Venetien mit dem Regionalgesetz 15 vom 22. März 1996 offiziell anerkannt und im Oktober 1996 verabschiedet. Trotz der allgemeinen Akzeptanz der Standardschreibweise durch die Schriftsteller gibt es immer noch einige Merkmale, die nicht vollständig akzeptiert werden (vgl. Turello 2015, 529).
Das Wörterbuch, das die friaulische Standardschreibweise dokumentiert, ist der Grant Dizionari Bilengâl Talian Furlan. VerbaAlpina verwendet für die Schreibweise die Version auf der Website der ARLeF, der regionalen Agentur für die friaulische Sprache.

Ladinisch
Bis heute gibt es fünf standardisierte Schreibweisen für die ladinischen Varietäten, die den fünf Dialekten (oder Dialektgruppen) badiot, gherdëina, fascian, fodom und anpezan entsprechen. Im Gader- und Fassatal, wo es jeweils drei Unterdialekte gibt, wurde eine der drei Varietäten bevorzugt und zum Standard erhoben. Für das badiot wurde das ladin de mesaval gewählt, das in den mittleren Ortschaften des Tals (Sankt Martin und Wengen) gesprochen wird; für Fassa ist die Standardform das cazét, das im oberen Tal gesprochen wird. Darüber hinaus existiert die interladinische Varietät Ladin Standard, eine polynomische Sprache, deren Aufbau von der Union Generela di Ladins dles Dolomites gewünscht und mit der Veröffentlichung der GLS 2001 abgeschlossen wurde. Die Wörterbücher dieser fünf Standardvarietäten und des Ladin Standard sind in der BLad enthalten. Was die offizielle Anerkennung betrifft, so ist die Situation unterschiedlich: In der Region Trentino-Südtirol gelten das badiot, das gherdëina und das fascian als offiziell anerkannte Schriftsprachen (die Anerkennung des Ladin Standard wurde vernachlässigt). In der Provinz Belluno werden die standardisierten Formen des Fodom und des Anpezan nicht offiziell anerkannt.
Die Dialektgruppe des ladin agordin durchläuft derzeit (April 2023) einen Standardisierungsprozess, dessen Ergebnis die sogenannte GLAC (Grafia Ladina Agordina Comune, 'Gemeinsame agordinladinische Graphie') sein wird. Dieser Prozess wurde vom MUSLA (Moviment de Union e Standardisazion Linguistica del Agordin) initiiert. Für die ladinischen Varietäten des Zoldo, Cadore und Comelico wurde noch kein Standardisierungsprozess eingeleitet. Mit Ausnahme der ladinischen Experten und "Fachleute", die sich auf die vom Istituto Ladin de la Dolomites (Istituto 2010) vorgeschlagenen orthografischen Transkriptionsregeln stützen, wird die grafische Wiedergabe der Sprache in den o.g. Tälern der Provinz Belluno derzeit von den Sprechern meist spontan vorgenommen.
Für die Typisierung des ladinischen Sprachmaterials verwendet VerbaAlpina hauptsächlich die Blad. In der Praxis werden die Lemmata des Standardladinischen bevorzugt. Wenn ein morpho-lexikalischer Typ nicht im Ladin Standard lemmatisiert ist, werden die Lemmata aus den Talwörterbüchern verwendet. Die Wörterbücher der ladinischen Varietäten des Agordino, Cadore und Comelico sind nicht (immer) online verfügbar und daher schwer zu referenzieren.

Okzitanisch
Eine einheitliche, allgemein akzeptierte, standardisierte okzitanische Sprache gibt es noch nicht. Es gibt allenfalls standardisierte orthografische Normen (vgl. Rechtschreibung), die die Verständigung zwischen den okzitanischen Varietäten in der Schrift erleichtern sollen. VerbaAlpina verfügt auch nicht über ein online zugängliches Wörterbuch, das als Referenz für die Typisierung von okzitanischem Material aus den Alpen dienen könnte. Das Material aus diesem Gebiet wird meist mit Hilfe anderer Wörterbücher typisiert (z. B. dem TLFi).

Bündnerromanisch
Das Bedürfnis und die ersten Versuche, die rätoromanischen Varietäten sprachlich zu vereinheitlichen traten zur Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert mit Placidus a Spescha ein. Die Idee des Benediktinerpaters zur Sprachfusion konnte sich aber nicht durchsetzen. Im Laufe der Zeit folgten weitere Standardisierungsversuche, die aber keinen großen Erfolg hatten (romontsch fusionau, Gion Antoni Bühler; interrumantsch, Leza Uffer). 1982 wurde Heinrich Schmid von der Universität Zürich auf Initiative der Lia Rumantscha mit der Ausarbeitung einer Norm beauftragt, die als schriftliche Referenzsprache für alle romanischen Varietäten (sursilvan, sutsilvan, surmiran, putér, vallader, die alle bereits über eine eigene Graphie verfügten) dienen könnte. Das Produkt der Ausarbeitung von Schmid (vgl. Schmid 1982), das sich auf die drei vitalsten Idiome (sursilvan, surmiran, vallader) stützt, erhielt den Namen Rumantsch Grischun und wurde von der Lia Rumantscha selbst, die die Initiative ergriffen hatte, weiterentwickelt und mit lexikographischen und grammatikalischen Hilfsmitteln ausgestattet. Die sprachtechnische Arbeit basierte im wesentlichen auf dem Mehrheitsprinzip: Für jedes sprachliche Merkmal wurde die Variante bevorzugt, die in der Mehrheit der romanischen Dialekte vorkommt. Seit 2001 ist Rumantsch Grischun die offizielle Sprache des Kantons Graubünden, auch wenn sie in der Praxis immer weniger akzeptiert wird (mehrere Gemeinden in der Region haben 2011 beschlossen zur Verwendung ihrer eigenen Talvariante zurückzukehren).
Die Werkzeuge, die VerbaAlpina zur Typisierung des lexikalischen Materials des romanischen Sprachraums verwendet sind in erster Linie der Dicziunari Rumantsch Grischun. Da dieses Wörterbuch jedoch noch nicht vollständig ist, wird auf die Plattform Pledari Grond zurückgegriffen, die Einträge aller romanischen Varietäten enthält. Wie im Fall des Ladinischen ist es für VerbaAlpina vorrangig, das Lemma in der Dachvarietät Rumantsch Grischun zu wählen. Wenn dies nicht möglich ist, wird das Lemma aus den Talwörterbüchern gewählt.


Walser
Für die Walser-Varietäten des Aostatals und des Piemonts wurde zwischen 2008 und 2010 das Projekt zur Standardisierung der Rechtschreibung der Walser-Sprachen initiiert, über das in Antonietti 2010 berichtet wird. In der Praxis wird dieser Standard jedoch weder allgemein akzeptiert noch wirklich angewendet. Während sich die Schreiber von Gressoney und Issime grundsätzlich über die Rechtschreibung einig sind, wenden die Schreiber der Walser-Gebiete im Piemont keine gemeinsame Rechtschreibung an (ich danke Caterina Saracco für die Erläuterungen). In VerbaAlpina wird, ähnlich wie für das Zimbrische und Fersentalerische, das lexikalische Material der Walser mit den Referenzwörterbüchern für den germanischen Raum typisiert (vgl. zur Verbreitung der Walser diese interaktive Karte).

Deutschsprachige Inseln in Friaul-Julisch-Venetien
Für die deutschsprachigen Inseln von Friaul-Julisch Venetien (Plodn, Sauris, Timau und Kanaltal) gibt es keine einheitliche Schreibweise. Jede Gemeinde hat ihre eigene, lokal ausgearbeitete Schreibweise übernommen (ich danke Marco Caria für die Erläuterungen). In der Terminologie von Iannàccaro/Dell'Aquila 2020 (357) handelt es sich um reflexive dialektale Schreibweisen (D2), die aber noch nicht das Niveau der lokalen Sprachorthographie erreicht haben. Dabei ist zu bedenken, dass in vielen Minderheitenkontexten nicht so sehr das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einer Standardschreibweise von zentraler Bedeutung ist, sondern vielmehr die möglichen Domänen ihrer Verwendung (dies gilt auch für andere Kleinsprachen, deren Situation hier kurz skizziert wurde). Für die Typisierung des Materials aus diesen Ortschaften verwendet VerbaAlpina, wie im Fall der Walser, des Zimbrischen und Fersentalerischen germanische Referenzwörterbücher.


Ziel dieses kurzen Beitrags war es, einen Überblick über die Standardisierungsbemühungen im Alpenraum zu geben. Die einzelnen Gruppen, die supra identifiziert wurden stellen aus rechtlicher Sicht territoriale Minderheiten auf italienischem Boden dar (mit Ausnahme von Rumantsch Grischun und einem Teil des okzitanischen Gebiets). Es liegt auf der Hand, dass die Standardisierung nicht ausschließlich für Sprachminderheiten relevant ist: Es kann in einem bestimmten Gebiet Sprachgruppen geben, die zwar nicht als Minderheiten anerkannt sind (z. B. weil sie nicht alloglottisch sind, wie im Fall des Gesetzes 482/99 in Italien), aber über standardisierte Schreibweisen (oder zumindest Versuche) verfügen. Die Frage der Standardisierung stellt sich, zumindest bei VerbaAlpina, nicht so sehr im Hinblick auf den methodischen Ansatz, sondern auf die Instrumente, die zur Verarbeitung der Daten verwendet werden: VerbaAlpina hat die Referenzwörterbücher ausgewählt, deren lexikographische Qualität auf akademischem Niveau anerkannt ist. Es kommt vor, dass gerade Sprachgruppen, die den Status einer Minderheitensprache haben Hilfsmittel anbieten, die dem wissenschaftlichen Niveau von VerbaAlpina entsprechen, aber das ist natürlich keine conditio sine qua non. Nach Ansicht von VerbaAlpina macht der Prozess der Standardisierung eine Sprachgruppe nicht mehr oder weniger interessant als eine andere. Im Idealfall stammen die (insbesondere durch Crowdsourcing) erhobenen Wörter aus den einzelnen, lokalen Gemeinden des durch die Alpenkonvention abgegrenzten Alpenraums. Wenn kein Referenzwörterbuch geeignete Stichwörter für die zu typisierenden Dialektformen bietet, kommt es in seltenen Fällen auch vor, dass VerbaAlpina auch kleinere Dialektwörterbücher konsultiert. Sollte in diesen Werken ein passendes Stichwort gefunden werden, wird die Information aufgenommen und mit entsprechenden Quellenangabe versehen.