Neben dem für VerbaAlpina grundlegenden Prinzip der Georeferenzierung ist im Gesamtkonzept, gleichsam als zusätzliche Dimension, die Möglichkeit der Chronoreferenzierung vorgesehen, die auch diachron angelegte Datenanalysen ermöglicht. Eine Chronoreferenzierung ist sowohl für das von VA gesammelte Sprachmaterial wie auch für das Material des außersprachlichen Datensektors möglich. Die Präzision der Chronoreferenzierung ist unterschiedlich. Im Fall der Sprachdaten aus Atlanten und Wörterbüchern liegt eine implizite Chronoreferenzierung über das Datum der Erhebung bzw. der Publikation vor. Daten aus dem Crowdsourcing können unter Umständen sogar auf den Tag genau zeitlich fixiert werden. Die Chronoreferenzierung ist z. B. dort relevant, wo Daten aus unterschiedlichen Atlasgenerationen, also etwa sowohl aus dem AIS (1928-1940) als auch aus dem ALD (1998-2012), vorliegen. Die Chronoreferenzierung ist noch nicht als Suchfilter an der Nutzeroberfläche implementiert. Die Chronoreferenzierung orientiert sich nach Möglichkeit an bestehenden Standards wie z. B. ISO 8601 oder TimeML und wird in VA_DB als eigenes Datenattribut mitgeführt.

Ein besonderes Beispiel liefert der ASLEF, bei welchem die Chronoreferenzierung besonders deutlich zum Ausdruck kommt, da neben den selbsterhobenen Daten für dieselben Ortschaften auch Belege der Sprachatlanten ALI und AIS aufgenommen wurden. In diesem Sinne entsteht eine diachrone Perspektive, da die vom AIS erhobenen Sprachdaten aus den Jahren 1921-1922 und die Daten des ALI aus den Jahren 1925-1943 neben die Daten vom ASLEF selbst aus den Jahren 1974 bis 1986 gestellt werden. Auf den Karten vom ASLEF wird dies durch diverse Symbole zu Kenntnis gebracht:




Das „P“ bezieht sich dabei auf die vom ALI erhobenen Daten, während das „S“ symbolisch für die vermerkten Daten des AIS steht. Diese beiden Buchstaben referieren auf die Exploratoren der Sprachatlanten. So steht "P" für Ugo Pellis, den Explorator des Sprachatlanten ALI. "S" bezieht sich hingegen auf den Explorator vom AIS, Paul Scheuermeier.
Diese Buchstaben sind auf den ASLEF-Karten vermerkt, wenn keine eigenen Belege vorliegen. Es wird also darauf hingewiesen, dass an diesen Ortschaften die Belege nur vom AIS bzw. ALI übernommen wurden. Wurden jedoch zusätzlich auch vom ASLEF Daten erhoben, die zudem mit denen der anderen beiden Sprachatlanten übereinstimmen, stehen die Buchstaben dem jeweiligen Sprachatlas entsprechend in einem Rechteck (AIS) bzw. in einem Kreis (ALI) hinter den auf den Karten des ASLEF verzeichneten Belegen. Bei denjenigen Belegen, bei welchen vom ASLEF divergierende Daten gegenüber den Daten eines der anderen beiden Sprachatlanten erhoben worden sind, wird dies durch ein Rechteck ohne "S" (AIS) bzw. einen Kreis ohne "P" (ALI), die bei den vom ASLEF erhobenen Belegen stehen, vermerkt.

Eine Berücksichtigung dieser Abkürzungen ist bei der Transkription für VerbaAlpina allerdings nicht vonnöten, da die damit verbundene Chronoreferenzierung automatisch in den digitalen Karten von VerbaAlpina zu tragen kommt, wenn Belege aller Sprachatlanten eingespeist werden und alle Belege ein- und derselben Ortschaft einen Hinweis auf ihre Quelle geben. Dadurch entsteht eine diachrone Perspektive, die in bestimmten Fällen den Vergleich von diversen Belegen aus den jeweils unterschiedlichen Erhebungsjahren der Sprachatlanten zulässt. Folglich kann hier von einer Chronoreferenzierung, die in den Karten von VerbaAlpina zum Vorschein kommt, gesprochen werden.