Bedeutung: Nidel (m., fem.) bezeichnet den Rahm oder die Rahmschicht auf der gekochten Milch, im DWB wird eine weitere Bedeutung 'bereiteter Butterballen' aufgeführt (vgl.DWB, s.v.Niedel). Der Typ ist nur im alemannischen Sprachraum verbreitet. Das DWB verweist außerdem auf die Variante Neidel im Schwäbischen und bezieht sich darauf auf Schmellers Bayerisches Wörterbuch (vgl. Schmeller, s.v.Neidel):
Schmeller selbst verweist auf ein deutsch-lateinisches Wörterbuch Hadr. Junii Nomencl. von Hadrianus Junius, für das Augsburg als Erscheinungsort gilt.
Da vom Erscheinungsort eines Wörterbuchs aber nicht auf die Verbreitung einer Variante geschlossen werden kann, ist es sehr wahrscheinlich, dass Varianten zu Nidel nur im Alemannischen vorzufinden sind.
VA-Verbreitung:
Die Verbreitung der Nidel-Varianten/-Derivate beschränken sich ebenfalls auf das Dialektgebiet des Alemannischen. Es scheint sogar der Fall zu sein, dass man nahezu von einer auschließlich schweizerischen Form ausgehen kann, denn nur wenige Belege sind im österreichischen Bundesland Vorarlberg zu finden. Als Grund hierfür könnte sein, dass in der Schweiz Nidel einen Grenzfall zum Standard darstellt, was auch den dialektale Gebrauch stützen könnte.
Etymologie:
Die Versuche Nidel zu etymologisieren sind bislang problematisch, auch das Schweizerische Idiotikon (s.v.Nīdel) liefert keine Wortherkunft und verweist lediglich auf das DWB. Der Adelung (s.v.*Der Niedel) gibt mit einem Verweis auf Frisch lat.nidor bzw. nitor 'Dampf, Dunst, Qualm, Bratenduft' (vgl. Georges, s.v.nīdor). Die Etymologie ist semantisch nicht plausibel; auch in den romanischen Sprachen gibt es kaum Kognaten, die zudem ganz andere Bedeutung haben (vgl.ita.nidore 'Gestank'. Außerdem wird niedlich in Erwägung gezogen, allerdings wohl in der Bedeutung 'angenehm, wohlschmeckend', welches mit nießen 'essen' (vgl.nhd.genießen 'essbar') in Verbindung gebracht wird. Hingegen nieten oder Nudel, wie sie bei Adelung angegeben sind, erscheinen eher volksetymologisch.
(vgl.Jud 1924: 201-203)
Junius, Hadrianus (1629): Nomenclator Hadriani Iunij, Augsburg
Adelung, Johann Christoph (1793–1801): Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Leipzig u.a., vol. 1–4, Breitkopf u.a.
Jud, Jakob (1924): Zu einigen vorromanischen Ausdrücken der Sennesprache, Berlin, in: Zeitschrift für Deutsche Mundarten, vol. 19, Allgem. Dt. Sprachverein, 199-209