Als Kreister wird eine einfache Schlafstelle im Almgebäude bezeichnet. Dieser Worttypus ist in keinem der Sprachatlanten des deutschsprachigen Alpenraums (BSA, SAO, SDS, TSA) zu finden. Allein Schmeller (vgl.kreisten) erwähnt ihn und bringt dort einen Gedanken, in dem diese Bedeutung zu Tage tritt: „Ob hieher oder wohin der Kreister gehöre, worunter auf den Alpen zwischen Inn und Isar das Heu-Bette der Sennerin in einer Alpenhütte verstanden wird, kann ich nicht entscheiden.“ Ansonsten findet man unter dem Stichwort kreisten in den Wörterbüchern nur die Bedeutung 'vor Anstrengung stöhnen' (vgl. TId kreisten; DWB kreisten). Es ist also auch unklar, ob dieses Wort mit deu.kreischen und kreißen verwandt ist.
Denkbar wäre eine Herleitung aus lat.crista, das in erster Linie 'Kamm des Hahns' bedeutet. Die auf den ersten Blick undurchsichtige Etymologie gewinnt dann an Substanz, wenn man dabei bedenkt, dass sich daraus auch Wörter in der Bedeutung 'Rahm' oder 'Bergkamm' herleiten (vgl.ita.cresta, fra.crète), die alle das semantische Merkmal 'oben' gemeinsam haben könnten. In einfachen Almbehausungen dienten oft Truhen, in denen Gerätschaften gelagert wurden, als Schlafstelle.
König, Werner (2009): Bayerischer Sprachatlas, München, Winter
Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich (Hrsg.) (1998ff.): Sprachatlas von Oberösterreich
Baumgartner, Heinrich/ Handschuh, Doris/ Hotzenköcherle, Rudolf (1962-2003): Sprachatlas der Deutschen Schweiz, Bern, vol. 1-9, Francke
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