Der für das Ladinische charakteristische Typ
brama 'Rahm' unterscheidet sich nur im Tonvokal [a] vom Typ
bruma; offenkundig ist er unter Einfluss von
crama entstanden. Da aber das dolomitenladinische Gebiet nicht von Kelten besiedelt gewesen zu sein scheint (die Dolomitenregion ist in vor- bzw. frühgeschichtlicher Zeit von den Venetern besiedelt gewesen oder stand zumindest sehr stark unter deren kulturellem Einfluss. Entsprechende archäologische Funde wurden im
Cadore gemacht [
s. F.V. and Winkle, Christian, “Veneti”, in: Brill’s New Pauly, Antiquity volumes edited by: Hubert Cancik and , Helmuth Schneider, English Edition by: Christine F. Salazar, Classical Tradition volumes edited by: Manfred Landfester, English Edition by: Francis G. Gentry. Consulted online on 09 November 2018 (
Link) First published online: 2006; First print edition: 9789004122598]. Archäologische Zeugnisse, die auf die Präsenz von Kelten in dieser Region hindeuten, scheinen bislang zu fehlen.), ist das ursprünglich keltische
crama dort nicht als Substratwort anzusehen; die Verschmelzung der beiden Typen kann vielmehr dadurch erklärt werden, dass
cel., bzw. dann
roa. crama von Westen her bis in das zentralladinische Gebiet vorgedrungen ist und sich dort mit dem ursprünglich verbreiteten,
lat. Typ
bruma vermischt hat, was schließlich die ladinischen Wortformen des Typus
brama ergab (
vgl. Karte brama). Dies muss vor der Germanisierung des Eisack- und Etschtals geschehen sein (
vgl. EWD I: 337-338).
Kramer, Johannes (1988-1998): Etymologisches Wörterbuch des Dolomitenladinischen, Hamburg, vol. 1-8, Helmut Buske