Zu diesem Typ (
vgl. Idiotikon I: 341) findet sich im
Kluge der folgende, kurze Eintrag:
„Anke(n), (durch Butter ersetzt) Sm ‛Butter’ per. wobd. (8. Jh.), mhd. anke, ahd. anko.
Obwohl nur das Deutsche das Wort bewahrt hat, ist g. *ankwōn m. ‛Fett, Butter’ vorauszusetzen, als Fortsetzer eines ig. (weur.) *ongwen- ‛Salbe, Fett, Butter’ (in verschiedenen Ablautstufen), vgl. l. unguen n. ‛Fett, Salbe’, air. imb ‛Butter’ (*ṇgwen-) zur Verbalwurzel ig. *ongw- ‛salben’ in ai. anákti, l. unguere u.a. Also ursprünglich ‛Salbe, Schmiere’.“ (Kluge, 47 s.v. Anke(n))
Hier wird einerseits ein einleuchtender Zusammenhang offengelegt; andererseits wird daraus jedoch ein unwahrscheinlicher wortgeschichtlicher Schluss gezogen: Kluge interpretiert das Wort als isoliertes indogermanisches Relikt, obwohl es doch viel näher läge, diesen südwestdeutschen (alemannischen) Typ aus dem Lateinisch-Romanischen zu erklären (
vgl. unguere). Die erwähnte lateinische Basis mit dem Velar ist zwar im unmittelbar angrenzenden romanischen Kontaktgebiet durch die Variante *
ŭngĕre (
REW 9069) verdrängt worden, wie an der Palatalisierung des
g in
roh. (surselvisch)
unscher,
roh. (engadinisch)
uondscher,
ita. ungere u.a. (
vgl. HWdR, 971) zu erkennen ist. Im heute französischen Gebiet herrschen jedoch Kognaten von
lat. ŭnguĕre vor (
vgl. FEW 14,
36 f.); darunter sind auch Formen mit eindeutigem semantischen Bezug zur Milchverarbeitung, wie
ogner 'donner son lait | Milch geben' (mit Wechsel der Konjugationsklasse) und
ogna 'quantité de lait que donne une vache en une fois | Menge Milch, die eine Kuh auf ein Mal gibt'. Aus dem Partizip
unctum ist im Übrigen die im romanischsprachigen Teil des
VA-Gebiets gut belegte
fur. Bezeichnung der BUTTER
ont,
lld. onto, vonto (
vgl. ron. unt) geworden. Die hiermit vorgeschlagene Entlehnung aus dem Lateinisch-Romanischen ist lautlich möglich und semantisch selbstverständlich, wenn man an die zahlreichen anderen Romanismen in diesem onomasiologischen Bereich denkt. Im Hinblick auf die viel weitere Verbreitung des Typs
butyru(m) liegt es weiterhin nahe, in den aus den Verbvarianten
ŭnguĕre, *ŭngĕre abgeleiteten Bezeichnungen einen älteren Typ zu sehen, der später durch
butyru(m) überlagert wurde.
Seebold, Elmar (2012): Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, Berlin, DeGruyter
Bernardi, Rut/Decurtinis, Alexi/Eichenhofer, Wolfgang/Saluz, Ursina/Vögeli, Moritz (1994): Handwörterbuch des Rätoromanischen, Zürich, vol. 1-3, Offizin