Der
Treccani zufolge stammt der morpho-lexikalische Typ
mucca (
roa. fem.), der ausschließlich die MILCHGEBENDE KUH (MILCHKUH) bezeichnet, ursprünglich aus der Toscana, ist mittlerweile aber in ganz Italien verbreitet. Als Ursprung des Wortes gibt die Treccani das schweizerdeutsche Wort
Mugg an, das ursprünglich die auf dem Jahrmarkt von Lugano verkauften Kühe bezeichnet habe (so auch schon
Tommaseo/Bellini,
s.v. mucca). Das schweizerdeutsche Wort hängt offenbar zusammen mit dem Verb
muggen, das u.a. das MUHEN der Kuh meint (
Idiotikon s.v. mugge[n]).
Der seit 1513 und bis ins frühe 20.
Jh. hinein jeweils im Oktober stattfindende Viehmarkt von Lugano (
sog. "Fiera Grossa") versorgte ganz Oberitalien mit Vieh aus der Zentral- und Ostschweiz sowie dem angrenzenden Österreich (
s. HLS s.v. Lugano [3 – Neuzeit]). Es kann durchaus sein, dass auch toskanische Bauern auf den Viehmarkt von Lugano gekommen sind (
s. Tommaseo/Bellini a.a.O.). Insofern ist es tatsächlich vorstellbar, dass sich aus einer im Tessin auftretenden schweizerdeutschen Bezeichnung ein toskanisches Wort entwickelt hat. Möglicherweise stellt
mucca jedoch auch einen Synkretismus von
vacca und
mungere, 'melken', dar (
s. Hall 1940;
vgl. auch
Tommaseo/Bellini,
a.a.O.). Das von Tommaseo/Bellini
a.a.O. auch als möglicher Ursprung von
mucca angegebene
grc. Μυκάω 'mungere' ist im
LSJ nicht nachgewiesen. Die dort verzeichnete mediale Form μῡκάομαι bedeutet 'brüllen, dröhnen' und ist demnach semantisch nicht mit MUNGERE/
MELKEN in Verbindung zu bringen.
Hall, Richard Andrew (1940): Tuscan mucca, Umbr. and March. mungana, milch-cow, in: Language. Journal of the Linguistik Society of America, vol. 16, 53