Der morpho-lexikalische Typ
Gaden bezeichnet im heutigen Standard noch in verschiedenen Gegenden ein Haus, das nur aus einem Raum besteht, oder eine Kammer. Daneben existiert es auch als fachsprachliches Wort aus dem Bereich Architektur für einen Fensterbereich einer Basilika (
vgl. Ortsnamen
Steingaden (im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau).
Das Wort ist als Neutrum seit althochdeutscher Zeit als
gadum oder
gadem belegt. Über ein Wort für 'lassen' oder 'freilassen' wird ein Zusammenhang mit Wörtern anderer indoeuropäischer Sprachen hergestellt, für das Germanische wird
*ǵhə-t-mo- ‛freier Raum, leerer Raum’ angesetzt (
vgl. Kluge 2011, online
s.v. Gaden). Auch im Dänischen bedeutet
gade 'Straße' (
Duden s.v. Gaden). Im VerbaAlpina-Gebiet ist das Wort meist in Komposita gebunden, besonders häufig in den alemannischen Dialekten der Schweiz, wo es einen einzelnen Raum (Milchraum, Viehstall auf der Alm, Heuraum in der alpinen Stallscheune) bezeichnet (
vgl. Idiotikon s.v. gădem), während vor allem in Südtirol damit ein Stadel gemeint ist. Im nördlichen Tirol werden hierfür hingegen Formen auf der Grundlage von
Stadel gebraucht;
vgl. auch den 'Ore', also den freien Raum zwischen den Häusern.
Gaden bzw.
Gadem galt schon im 19. Jahrhundert als veraltet, wie der Blick ins Grimm'sche Wörterbuch zeigt. Zu dieser Zeit war das Wort noch sowohl als Neutrum als auch als Maskulinum vorhanden (
vgl. DWB s.v. Gadem).
Seebold, Elmar (2012): Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, Berlin, DeGruyter
Grimm, Jacob/ Grimm, Wilhelm (1854-1961): Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, Leipzig, Hirzel
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