Die Bezeichnungen des Materials FELS (vgl. Karte) sind geradezu emblematisch für die historische Schichtung des alpinen Sprachraums (vgl. Stratigraphie und Tropaeum Alpium). Denn sie sind in sehr alten, durchweg vorlateinischen Schichten verwurzelt. Während sich keine Spur der generischen lat. Bezeichnung rūpes 'steile Felswand' (Georges, s.v. rūpes) findet, die sich in den romanischen Sprachen überhaupt nur in wenigen, zudem etymologisch unsicheren ostromanischen Kognaten erhalten zu haben scheint (vgl. REWOnline, 7451), sind etliche Typen unklarer Herkunft vertreten, die offenkundig aus Substratsprachen ins Lateinisch-Romanische und daraus anschließend womöglich ins Germanische entlehnt wurden.

Vorlateinisches Stratum

Lateinisches Stratum


Die lateinische 'Schicht' ist jedoch auch gut greifbar; sie zeigt sich u.a. in den Typen

Germanisches Stratum


Der auch in der deutschen Standardsprache vertretene Typ Fels (vgl. DWDS, s.v. Fels wurde wohl ins Bündnerrom. (außer Engadinisch) entlehnt; jedenfalls wird im DRG felsa als Germanismus beschrieben. Immerhin sei festgehalten, dass die Herkunft des deu. Typs ebenfalls unklar ist; substratale Herkunft, die ja keineswegs im Widerspruch zur Entlehnung des bündnerromanischen Worts aus den alemannischen Dialekten stünde, ist daher nicht grundsätzlich auszuschließen.

Toponymie

In der Regel tauchen die Bezeichnungstypen des Konzepts FELS auch mehr oder weniger häufig in der Toponyme auf, teils in massiver regionaler Verdichtung wie z.B. cret(e) im Friaul, croda in den italienischen Dolmiten und im Friaul oder crap in Graubünden; vgl. exemplarisch www.ortsnamen.ch, mit 963 Belegen von crap.
Auch mit substratalem Erhalt der genannten Typen im heute deutsch- bzw. slowenischspachigen Gebiet ist zu rechnen, wie die
nahe beieinander gelegenen Bergnamen Krapfenkarspitze (zu crap?), Krepelschrofen (zu cripel?),
Klaffen (zu *klappa und Krottenkopf (zu croda?) beispielhaft zeigen sollen:


In der Tatsache, dass nicht sehr weit von einander entfernte Bergnamen ('Oronyme') auf unterschiedliche Etyma bezogen werden, die jedoch dasselbe Konzept bezeichnen und als synonym erscheinen, könnte man ein Argument gegen die Erklärung aus dem vorlateinischen Substrat sehen. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass sich alte semantische Spezifizierungen verloren haben oder aber durch die wenig differenzierte Erhebung nicht erfasst wurden; es ist ja offenkundig, dass bei den Bezeichnungen ganz unterschiedliche semantische Motivationen zusammenkommen: die Form eins Bergs (z.B. còrna 'Horn'), topographische Auffälligkeiten (z.B. HÖHLE, ÜBERHANG), das Material (z.B. roche / rocca), die Nutzung (z.K. bündnerrom. cuvel, bair. Kofel aus lat. cubare 'liegen') usw.