Anko
Dieser Basistyp beruht auf ahd. ancho ‘Butter’ (vgl. Id. I: 341) bzw. auf ahd. anko, welches dann im mhd. zu anke wurde. Seinen Ursprung hat es in dem indogermanischen Stamm *ongwen- ‘Salbe, Fett, Butter’, woraus sich dann ger. *ankwōn m. ‘Fett, Butter’ entwickelte. Zu diesem indogermanischen Stamm können auch lat. ungĕre ‘schmieren’ und ŭnctum ‘Fett’ gestellt werden (vgl. Kluge 2012: 437; vgl. Id. I: 341). Es wurde im Deutschen zwar zum größten Teil durch Butter ersetzt, ist aber dennoch im südwestdeutschen Gebiet noch präsent (vgl. BSA IV: 5.11a) und findet sich ebenfalls in der deutschen Schweiz (vgl. SDS V: 179; vgl. Id. I: 342).
Zu diesem Typ (
vgl. Id. I: 341) findet sich im
Kluge der folgende, kurze Eintrag:
„Anke(n), (durch Butter ersetzt) Sm ‛Butter’ per. wobd. (8. Jh.), mhd. anke, ahd. anko
Obwohl nur das Deutsche das Wort bewahrt hat, ist g. *ankwōn m. ‛Fett, Butter’ vorauszusetzen, als Fortsetzer eines ig. (weur.) *ongwen- ‛Salbe, Fett, Butter’ (in verschiedenen Ablautstufen), vgl. l. unguen n. ‛Fett, Salbe’, air. imb ‛Butter’ (*ṇgwen-) zur Verbalwurzel ig. *ongw- ‛salben’ in ai. anákti, l. unguere u.a. Also ursprünglich ‛Salbe, Schmiere’.“ (Kluge 2011, 47)
Hier wird einerseits ein einleuchtender Zusammenhang offengelegt; andererseits wird daraus jedoch ein unwahrscheinlicher wortgeschichtlicher Schluss gezogen: Kluge interpretiert das Wort als isoliertes indogermanisches Relikt, obwohl es doch viel näher läge diesen südwestdeutschen (alemannischen) Typ aus dem Lateinisch-Romanischen zu erklären. Die erwähnte lateinische Basis mit dem Velar ist zwar im unmittelbar angrenzenden romanischen Kontaktgebiet durch die Variante *
ŭngĕre (
REW 9069) verdrängt worden, wie an der Palatalisierung des
g in surs.
unscher,
eng. uondscher,
ita. ungere u.a. (
vgl. HWdR, 971) zu erkennen ist. Im heute französischen Gebiet herrschen jedoch Kognaten von
lat. ŭnguĕre (
vgl. FEW 14, 36 f.); darunter sind auch Formen mit eindeutigem semantischen Bezug zur Milchverarbeitung, wie
ogner 'donner son lait | Milch geben' (mit Wechsel der Konjugationsklasse) und
ogna 'quantité de lait que donne une vache en une fois | Menge Milch, die eine Kuh auf ein Mal gibt'. Aus dem Partizip
unctum ist im Übrigen die im romanischsprachigen Teil des
VA-Gebiet gut belegte friaul. Bezeichnung der BUTTER
ont, lad.
vonto (
vgl. rum.
unt) geworden. Die hiermit vorgeschlagene Entlehnung aus dem Lateinisch-Romanischen ist lautlich möglich und semantisch selbstverständlich, wenn man an die zahlreichen anderen Romanismen in diesem onomasiologischen Bereich denkt.
König, Werner (2009): Bayerischer Sprachatlas, München, Winter
Baumgartner, Heinrich/ Handschuh, Doris/ Hotzenköcherle, Rudolf (1962-2003): Sprachatlas der Deutschen Schweiz, Bern, vol. 1-9, Francke
Seebold, Elmar (2012): Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, Berlin, DeGruyter
Bernardi, Rut/Decurtinis, Alexi/Eichenhofer, Wolfgang/Saluz, Ursina/Vögeli, Moritz (1994): Handwörterbuch des Rätoromanischen, Zürich, vol. 1-3, Offizin
Althochdeutsch (ISO 639-3)
vergleiche
Maskulinum
Latein (ISO 639-3)
Sprachatlas der deutschen Schweiz
Jahrhundert
Neutrum
Romanisches Etymologisches Wörterbuch
Englisch (ISO 639-3)
Italienisch (ISO 639-3)
Handwörterbuch des Rätoromanischen
Femininum
VerbaAlpina