KÄSE wird im Lateinischen ganz allgemein als
caseus ‘Käse’ bezeichnet (
vgl. Georges,
s.v. caseus);
Kluge sieht einen Zusammenhang mit altkirchenslavischem
kvasŭ ‛Sauerteig’ und plädiert daher für indoeuropäischen Ursprung. Das
lat. Wort gelangt schon sehr früh ins Germanische (
vgl. das im 8. Jahrhunderte belegte
goh. kāsi und
ang. cēse, mit auffälliger Palatalisierung); laut
Kluge wird "[d]as lateinische Wort [...] mit der Labkäsebereitung entlehnt. Zuvor kannten die Germanen nur Weichkäse (Quark)" (478). Im Romanischen selbst wird der zunächst dominante Typ (
vgl. DéROM:
s.v. */`kasi-u/ und
FEW 2, 456-458
s.v. caseus) jedoch weithin ersetzt, insbesondere durch den Typen
formaticu(m), der explizit durch die Labkäserei, genauer: durch die Produktion von Käse mit einem
MITTEL ZUR GERINNUNG motiviert ist, denn nur mit dieser Technik wird es möglich, den Käse zu formen, reifen zu lassen und länger zu konservieren (
vgl. fra. fromage,
ita. formaggio usw.). Erhalten hat sich der Typ
caseus in
ita. càcio (
Treccani s.v. càcio), das auf dialektaler Ebene vor allem in der Toskana und in den Dialekten Mittel- und Süditaliens verbreitet ist (
vgl. DELI I, 182), aber auch im Untersuchungsgebiet von VerbaAlpina, in Gestalt von ladinisch
ćiajó (
vgl. EWD II, 126) vorkommt (
vgl. Karte des Basistyps caseum). In den Westalpen konnte sich
caseus dagegen von vorneherein nicht gegen das vorrömische, vermutlich gallische Substratwort
tomme / toma (f.) (roa.) durchsetzen.
Georges, Heinrich (1913-1918): Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. Aus den Quellen zusammengetragen und mit besonderer Bezugnahme auf Synonymik und Antiquitäten unter Berücksichtigung der besten Hilfsmittel ausgearbeitet, Hannover, Hahnsche Buchhandlung
LinkSeebold, Elmar (2012): Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, Berlin, DeGruyter
Buchi, Éva/ Schweickart, Wolfgang (Hrsg.) (2016): Dictionnaire Étymologique Roman, Berlin/Boston, DeGruyter
LinkWartburg, Walter (1922-1967): Französisches etymologisches Wörterbuch. Eine Darstellung des galloromanischen Sprachschatzes , Basel, vol. 20, Zbinden
LinkRomani, Luigi: Vocabolario Treccani
LinkCortelazzo, Manlio/ Zolli, Paolo (1979): Dizionario etimologico della lingua italiana, Bologna, Zanichelli
Kramer, Johannes (1988-1998): Etymologisches Wörterbuch des Dolomitenladinischen, Hamburg, vol. 1-8, Helmut Buske
vergleiche
lat. sub voce (
deu. unter dem Stichwort)
Latein (ISO 639-3)
Substantiv
Deutsch (ISO 639-3)
Latein (ISO 639-3)
Althochdeutsch (ISO 639-3)
Altenglisch (ISO 639-3)
Dictionnaire étymologique Roman
Französisch (ISO 639-3)
Italienisch (ISO 639-3)
Etymologisches Wörterbuch des Dolomitenladinischen
Femininum
Romanisch (ISO 639-5)