Der Basistyp lat. vannus ist in den Referenzwörterbüchern von VerbaAlpina primär in der Bedeutung 'Getreide- und Futterschwinge' aufgeführt (vgl. Georges s.v. vannus; vgl. FEW 14, 157 s.v. vannus). Mit 'Schwinge' ist die Worfel gemeint: Hierbei handelt es sich um ein landwirtschaftliches Gerät aus Holz, das zur Trennung der Weizenkörner von der Spreu, den nicht essbaren Teilen, dient. Dieses Gerät wird an den äußeren Griffen in der Hand gehalten und verwirbelt, so dass die Luft, die es durchströmt, die darin enthaltenen Körner von der Spreu trennt. Im VerbaAlpina-Gebiet wird dieser lateinische Basistyp durch morpho-lexikalische Typen vertreten, die in Verbindung mit den Konzepten LAWINE und WANNE stehen (vgl. die Karte des Basistyps vannus; s. auch vendúl (m.) (roa.)). Die Verwendung desselben Begriffs zur Bezeichnung von LAWINE einerseits und MULDE andererseits lässt sich durch eine metonymische Beziehung des Typs "Gefäß – Inhalt" erklären.
Auch in der Toponomastik der alpinen Region ist dieser Typus präsent: Man denke an die Ortsnamen Van delle Sasse und Van de Zità in den bellunesischen Dolomiten: nach Pellegrini 1990, 206 trägt die Form van die Bedeutung 'Wanne aus Stein' und in der Tat stellen Van delle Sasse und Van de Zità Mulden, Gletscherbecken zwischen hohen Dolomitengipfeln dar.