Dieser Basistyp ist aufgrund seiner breitgefächerten Polysemie sehr interessant. Er beruht auf dem
lat. Etymon
flōs, dessen Grundbedeutungen 'Blume' und 'Blüte' in metonymischer Relation stehen und zahlreiche metaphorische und weitere metonymische Bedeutungen hervorgebracht haben.
Ausgehend von 'Blüte' bezeichnet
flōs oft DEN BESTEN, SCHÖNSTEN TEIL EINER SACHE, so etwa in
lat. flos aetatis 'die Blüte der Jahre, die Jugendkraft, Jugendfülle' (
vgl. Georges,
s.v. flōs), einem Ausdruck, der sich bis ins Romanische erhalten hat (wie in
fra. la fleur de l´âge 'die Jugend';
vgl. FEW, 3, 630-638,
s.v. flōs). Ähnlich motiviert sind
fra. fleur de la farine 'la partie la plus fine de la farine',
ita. fior della farina, engadinisch
flur d´farina oder
gsw. (schweizerdeutsch)
Blume (
vgl. FEW,
a.a.O.). Ebenfalls ausgehend von 'Blüte' erklären sich Bedeutungen, die mit der OBERFLÄCHE, dem HÖCHSTEN PUNKT von Dingen zu tun haben, wie in
fro.,
frm. à fleur de 'à la surface, au niveau de'.
Beide semantischen Dimensionen ('gut' und 'oben') motivieren womöglich gemeinsam die Bezeichnung des Konzepts
RAHMS, die sich bereits im Lateinischen entwickelte (
flos lactis 'Rahm') und auch heute noch im Untersuchungsgebiet gut belegt ist (
vgl. auch
ita. fior di latte 'Rahm'). Dementsprechend sind auch Verben wie
fra. défleurer oder neuokzitanisch
sanflurá,
sonflurá 'abrahmen' leicht zu verstehen (
vgl. FEW,
a.a.O.).
Georges, Heinrich (1913-1918): Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. Aus den Quellen zusammengetragen und mit besonderer Bezugnahme auf Synonymik und Antiquitäten unter Berücksichtigung der besten Hilfsmittel ausgearbeitet, Hannover, Hahnsche Buchhandlung
LinkWartburg, Walter (1922-1967): Französisches etymologisches Wörterbuch. Eine Darstellung des galloromanischen Sprachschatzes , Basel, vol. 20, Zbinden
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