Dieser Basistyp entspricht der femininen Form
excŏcta des Partizips Perfekt Passiv von
lat. excoquere ‘herauskochen’. Dabei handelt es sich um eine zusammengesetzte Form aus
lat. coquere ‘kochen’ und dem Präfix
ex- (
vgl. DELI 5,1167). Der Typ ist in Oberitalien weit verbreitet (
vgl. FEW 3, 278,
s.v. *excocta und zum
ita. Treccani s.v. scotta 2). Nicht nachvollziehbar ist die Markierung des Typs als rekonstruiert, die im FEW und
REW vorgenommen wurde; denn das
lat. Verb
excoquere 'herauskochen' ist gut belegt (
vgl. Georges,
s.v. excoquo).Die deutschen Formen des Basistyps repräsentieren ebenso wie das slowenische
skuta in geradezu prototypischer Weise die romanischen Substratwörter im Bereich der alpinen Milchverarbeitung. Ältere Ansätze, die eine Ableitung von althochdeutsch
scotto aus
deu. schottlen/schütt(l)en mit nachfolgender Entlehnung ins Romanische sehen wollten, sind zu verwerfen, denn Formen wie Lombardisch
scoččia [skotʃa] können nur auf das Etymon
excocta mit der Verbindung
und nicht auf althochdeutsch scotto zurückgeführt werden. Es ist deshalb eindeutig von umgekehrter Entlehnungsrichtung auszugehen und das althochdeutsche Wort auf das Romanische zurückzuführen (vgl. in diesem Sinne schon das Idiotikon VIII, 1563, s.v. Schotten und ebenso EWD, II, 200).
Man beachte jedoch, dass im Ladinischen zwei phonetische Typen koexistieren:
(a) mit anlautendem [ʃk-] (vgl. [ʃkota] in Livinallongo wie auch in Friaul);
(b) mit anlautendem [tʃ-] (vgl. [tʃot(e)] im Rest der Sella-Ladinia).
Bei (b) scheint es sich um eine Rückentlehnung aus dem Südtiroler Bairischen zu handeln (vgl. EWD II, 199-200).
Die Stratigraphie des Typs lässt sich also wie folgt schematisieren:
| romanisch |
|
|
deutsch. |
slowenisch |
| z.B. valdost. (é)couette |
ita. scotta |
lad. tʃot(e) ← |
← Adstrat |
dial. Schotte(n) |
dial. skuta |
| ↑ |
↑ |
|
↑ Substrat ↑ |
↑ Substrat ↑ |
| lat. excocta |
Der Basistyp ist in semantischer Hinsicht bemerkenswert, denn er liefert ein charakteristisches Beispiel metonymischer Polysemie: Er bezeichnet die beiden Produkte, die bei der Gerinnung der Milch bzw. der Molke durch Erhitzen und Auskochen (lat. EXCOQUERE) entstehen, nämlich die Flüssigkeit einerseits und die Käsemasse bzw. den Ziger und die aufsteigenden Eiweißteilchen andererseits (vgl. auch VALTS IV, 204).Cortelazzo, Manlio/ Zolli, Paolo (1979): Dizionario etimologico della lingua italiana, Bologna, Zanichelli
Wartburg, Walter (1922-1967): Französisches etymologisches Wörterbuch. Eine Darstellung des galloromanischen Sprachschatzes , Basel, vol. 20, Zbinden
LinkRomani, Luigi: Vocabolario Treccani
LinkGeorges, Heinrich (1913-1918): Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. Aus den Quellen zusammengetragen und mit besonderer Bezugnahme auf Synonymik und Antiquitäten unter Berücksichtigung der besten Hilfsmittel ausgearbeitet, Hannover, Hahnsche Buchhandlung
Link (1881
ff.): Schweizerisches Idiotikon. Schweizerdeutsches Wörterbuch, Basel
LinkKramer, Johannes (1988-1998): Etymologisches Wörterbuch des Dolomitenladinischen, Hamburg, vol. 1-8, Helmut Buske
Gabriel, Eugen/ Klausmann, Hubert/ Krefeld, Thomas (1991 ff.): Vorarlberger Sprachatlas. Wortgeographie I. Kommentarband, Bregenz, vol. 4
Latein (ISO 639-3)
vergleiche
lat. sub voce (
deu. unter dem Stichwort)
Latein (ISO 639-3)
Substantiv
Deutsch (ISO 639-3)
Italienisch (ISO 639-3)
Romanisches Etymologisches Wörterbuch
Deutsch (ISO 639-3)
Etymologisches Wörterbuch des Dolomitenladinischen
folgende