Der Basistyp formaticu(m) ist aus lat. forma ‘Form, Gefäß’ abgeleitet. Es kommt aus dem Gallischen und war in einer ersten Phase eigentlich nur ein Adjektiv zu cāseus ‘Käse’. Zusammen ergaben sie die Bezeichnung für den geformten Hartkäse. In seiner weiteren Entwicklung wurde das Substantiv cāseus fallen gelassen und das Adjektiv formaticum machte eine Substantivierung durch. Die ersten Belege finden sich in einem nordfranzösischen Glossar aus dem 8. Jahrhundert. Des Weiteren spricht für sein hohes Alter das xbm. fourondec, das darauf schließen lässt, dass es schon vor dem Wandel von -aticu zu -age entlehnt wurde. Neben dem Wandel des Suffixes kann man außerdem noch anhand der altfranzösischen, mittelfranzösischen und neufranzösischen Formen eine Metathese beobachten. Das Altfranzösische kennt die Form formage ‘substance alimentaire qu'on obtient en faisant subir diverses préparations au lait caillé; masse de cette substance moulée en pain’. Im Mittelfranzösischen hingegen existieren dann zwei Formen nebeneinander: Zum einen ist fourmage belegt, zum anderen gibt es auch die Variante froumage. Im Neufranzösischen hat sich die Metathese dann endgültig mit der Form fromage vollzogen. Von der Galloromania ausgehend wurde es in zahlreiche andere romanische Sprachen entlehnt. So finden sich im gesamten norditalienischen Gebiet ita. formaggio, pms. furmágg, lmo. formai oder vec. formagio (vgl. FEW 3, 717-719 s.v. formaticum). Im Dolomitenladinischen hat der Typ formaticum fast gänzlich den Typen cāseus verdrängt. Der Typ cāseus ist, wie auch die AIS-Karte 1217 und das EWD (II, 126) zeigen, nur noch im Gadertal und Gröden mit den Formen ćiajó und ćiaujel (beide aus suffigiertem caseolus) präsent. Der Wandel des lat. Basistyps formaticu(m) lässt sich gut anhand einer Verbindung von Wort und Sache erklären, denn hier wurde das Wort offensichtlich durch eine neue Herstellungsart motiviert, bei der man den Käse in einer Form reifen lässt.