Der Basistyp leitet sich aus lat. lac ‘Milch’ ab, dem grc. γάλα (n.) oder γλάγος entspricht (n.; vor allem poetisch, Bevorzugung wahrscheinlich aus Gründen der Metrik, belegt z.B. bei Homer Il. II 471 oder Pindar frg. 106) (vgl. Georges 2, 525 s.v. lac). Später wandelte sich das Genus von Neutrum zu Maskulinum, was dann lat. lăcte(m) (Akk. von lac [n.] = lac!) ergab. Die meisten romanischen Sprachen haben lat. lacte(m), also mit dem maskulinen Genus, als Erbwort fortgesetzt, woraus fra. lait, ita. làtte, fur. lait, pms. lait und auch der dolomitenladinische Typ làt (vgl. FEW 5, 114 s.v. làt; vgl. EWD 4, 177; vgl. DELI 3, 655) entstanden sind. Im Untersuchungsgebiet von VerbaAlpina begegnet einem das Erbwort seltener als Femininum, wie etwa vec. late (vgl. DéROM s.v. */'lakt-e/); außerhalb des Alpenraums ist der feminine Typus vor allem in Südfrankreich und Nordspanien anzutreffen (vgl. DéROM a.a.O.). In einigen Gebieten der Alpen, beispielsweise in der Schweiz und in Savoyen, liegt den Bezeichnungen der Milch lat. *lacticellum zu Grunde, also ein Diminutiv zu lat. lăcte(m) ist (vgl. FEW 5, 114). Darauf geht auch ita. latticèllo ‘Buttermilch’ zurück (vgl. DELI 3, 655). Aus diesem Basistyp gingen auch einige Ausdrücke zur Bezeichnung der SÜSSMOLKE hervor. Einerseits dienen dazu Ableitungen mit dem Suffix -ata, die eigentlich ein Kollektivum bezeichneten. Andererseits finden sich auch häufig Diminutiva, denen die Vorstellung zugrunde liegt, dass die Molke, die bei der Herstellung des Käses entsteht, keine gehaltvolle Milch ist. Im Französischen hat sich zur Bezeichnung der SÜSSMOLKE der Ausdruck petit-lait gebildet. Wörtlich heißt das eigentlich ‘kleine Milch’, aber durch die Voranstellung des Adjektivs petit ‘klein’ kommt genau dieselbe Vorstellung wie bei den Diminutiva zum Ausdruck (vgl. FEW 5: 114).